Messung & StörungRatgeber

OTDR-Messprotokoll lesen: Was die Kurve verrät

Wie man eine OTDR-Kurve liest – Stecker, Spleiß, Faserende und Fehler erkennen – und was zu einem vollständigen Messprotokoll bei der Übergabe gehört.

Redaktion Netzwerk 2000 · 03. Oktober 2026 · 7 Min. Lesezeit

  1. Spleißkleine Stufe, keine Spitze157 m
  2. SteckerSpitze + Stufe328 m
  3. Biegung?bei 1550 nm prüfen485 m
  4. Faserendegroße Reflexion655 m
Kurz gesagt

Die OTDR-Kurve zeigt Länge, Dämpfung und jedes Ereignis entlang der Faser – Stecker als Spitze mit Stufe, Spleiße als kleine Stufe, das Ende als große Reflexion. Für Abnahmen ist eine bidirektionale Messung mit Vor- und Nachlauffaser der saubere Weg.

Ein OTDR (Optical Time Domain Reflectometer) schickt Lichtimpulse in die Faser und misst, wie viel Licht aus welcher Entfernung zurückkommt. Daraus entsteht die Rückstreukurve: links der Messanfang, rechts das Faserende. Wer sie lesen kann, sieht auf einen Blick, wo Stecker, Spleiße und Fehler liegen.

Die Grundlinie

Die Kurve fällt von links nach rechts gleichmäßig ab – das ist die normale Dämpfung der Faser. Je steiler der Abfall, desto höher die Dämpfung pro Kilometer. Bei Singlemode ist sie bei 1550 nm geringer als bei 1310 nm.

Die Ereignisse

  • Stecker: eine Spitze nach oben (Reflexion), gefolgt von einer Stufe nach unten (Verlust). Gute Steckverbindungen haben eine kleine Stufe.
  • Spleiß: eine kleine Stufe ohne Spitze. Ein guter Fusionsspleiß ist oft kaum zu sehen.
  • Faserende: eine große Spitze, danach fällt die Kurve ins Rauschen.
  • Biegung oder Quetschung: eine Stufe ohne Reflexion, oft bei 1550 nm deutlich größer als bei 1310 nm – ein typischer Hinweis auf eine zu enge Verlegung.
  • Bruch vor dem Ende: die Kurve endet früher als erwartet.

Warum bidirektional messen?

Ein Spleiß zwischen zwei leicht unterschiedlichen Fasern kann aus einer Richtung wie ein Gewinn aussehen (Stufe nach oben), aus der anderen wie ein großer Verlust. Erst der Mittelwert beider Richtungen zeigt den echten Wert. Für Abnahmen ist die bidirektionale Messung deshalb der saubere Weg.

Vor- und Nachlauffaser

Direkt hinter dem Messgerät ist das OTDR für einige Meter „blind“ (Totzone). Mit einer Vorlauffaser liegt der erste Stecker der Strecke außerhalb dieser Zone und kann bewertet werden, mit einer Nachlauffaser auch der letzte.

Was gehört zur Übergabe?

  • Messung jeder Faser, eindeutig der Strecke und dem Belegungsplan zugeordnet
  • Angabe von Wellenlänge(n), Messrichtung, Pulsbreite und Brechungsindex
  • Ereignistabelle mit Position und Dämpfung aller Stecker und Spleiße
  • Gesamtdämpfung und Länge der Strecke, Bewertung gegen den vereinbarten Grenzwert
  • Datum, Messgerät und Name des Messtechnikers

Die Norm ISO/IEC 14763-3 beschreibt, wie installierte Glasfaserverkabelung geprüft wird. Bei uns ist das Messprotokoll Teil jedes Spleißauftrags.

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